Echsengift hilft bei der Behandlung des Typ-2 Diabetes
Beim gesunden Menschen wird nach einer kohlenhydrathaltiger Mahlzeit in der Bauchspeicheldrüse von den Inselzellen Insulin gebildet, um Zucker in die Zellen zu transportieren. Beim Diabetiker hingegen ist dieser Prozess gestört. Bereits zehn Jahre vor der Erstdiagnose “Diabetes mellitus” beginnt der Funktionsverlust dieser Zellen. Erst wenn etwa 50 Prozent der Zellen untergegangen sind, wird der Diabetes erkennbar. Neben den Inselzellen ist auch das Darmhormon Inkretin an der Insulinproduktion beteiligt. Neue Untersuchungen haben ergeben, dass bei Typ-2 Diabetikern dieser sogenannte Inkretin-Effekt auch schon lange vor Diagnosestellung vermindert ist. In der Therapie konnte das körpereigene Darmhormon von gesunden Menschen jedoch nicht verwendet werden, da es innerhalb weniger Minuten vom Organismus abgebaut wird. Positive Ergebnisse ergaben hingegen Speicheluntersuchungen bei der Gila-Echse, einer amerikanischen Krustenechse. Wissenschaftler konnten in seinem Speichel einen Stoff isolieren, der das menschliche Darmhormon nachahmt. Mittlerweile stellen Mediziner diesen leicht veränderten Stoff Exenatide genetisch her. Er bewirkt eine anhaltende Insulinproduktion. Dieses neue Antidiabetikum wird zweimal täglich eine Stunde vor dem Frühstück und dem Abendessen unter die Haut gespritzt.
|
|
|
Eine leichte bis mäßige Übelkeit kann in den ersten Therapiewochen zwar auftreten, klingt dann aber meist ab. Neben dem positiven Effekt der Insulinproduktion beobachteten Mediziner, dass die meisten Patienten bei der Behandlung Gewicht verlieren. Diese Nebenwirkung ist äußerst positiv für Diabetiker des Typ-2, deren Stoffwechselstörung maßgeblich vom Übergewicht beeinflußt wird. Wer mit herkömmlichen Therapien seinen Diabetes nicht mehr in den Griff bekommt, ist auf neue Behandlungen angewiesen. Denn die hochen Kosten entstehen durch die diabetesbedingten Folgeerkrankungen. Hier gilt es, das Krankheitsrisiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Amputationen, Erblindung und Dialysepflicht zu minimieren. Typ-2 Diabetikern, die mit blutzuckersenkenden Tabletten ihre Blutzuckerwerte nicht mehr kontrollieren können, haben daher mit dem Gift der Gilaechse eine Alternative zur Insulintherapie gerunden.
|